|
100 Jahre Freiwillige Feuerwehr Emmerich 1885 – 1985 Wenn die Freiwillige Feuerwehr in diesem Jahr auf ihr 100jähriges Bestehen zurückblicken kann, so muss jedoch darauf hingewiesen werden, dass es schon viel früher Brandschutzeinrichtungen in unserer Stadt gab. Ein solches Jubiläum ist sicherlich ein Anlass, einen Rückblick zu geben auf die Geschichte des Feuerlöschwesens. Zum 40jährigen Bestehen der Feuerwehr Emmerich hat Rektor Ferdinand Goebel einen Bericht „Zur Geschichte des Emmericher Feuerlöschwesens“ verfasst und in der Festschrift des Jahres 1925 veröffentlicht. Er behandelt das Feuerlöschwesen von den ersten Nachrichten bis zum Jahre 1925. Da man gute Chroniken durch Umschreiben nicht verbessert, möchte ich diesen Bericht mit in die Gesamtchronik aufnehmen.
Das Jahr 1885 brachte eine einschneidende Veränderung in der Organisation der Feuerwehr. Wie überall in den kleineren und mittleren Städten wurde auch hier das Zwangssystem der Feuerwehr, das sich längst als unbrauchbar erwiesen hatte, aufgegeben und eine freiwillige Feuerwehr gegründet und damit der Grund gelegt zu der Einrichtung, wie sie bis auf den heutigen Tag besteht. Am 05. Mai 1885 konnte zur Gründung geschritten werden. Es wurde vor allem ein Vorstand gebildet, der sich aus folgenden Personen zusammensetzte: Gerh. Heydeman, 1. Vorsitzender, Aug. Fleischhauer, 2. Vorsitzender, Johann Wurtz, 1. Schriftführer, Carl Baardwyk, 2. Schriftführer, Hermann Wesser, Kassierer, Gustav Breitenstein, 1. Gerätewart und Gerhard Holland, 2. Gerätewart. Zum Hauptmann der Wehr wurde Heinrich Tibus und zu seinem Stellvertreter Heinrich van Heel gewählt. Von städtische Seite trat Gustav Steinback als Branddirektor mit beratender Stimme in den Vorstand ein. Die in den 4 Spritzenhäuschen untergebrachten Feuerlöschgerätschaften wurden von der freiwilligen Feuerwehr übernommen. Die neue Wehr bekam nun auch eine Uniform und zwar anfänglich in brauner, später aber in blauer, vom Feuerwehrverband vorgeschriebener Farbe. Im Jahre 1887 erhielt die Stadt Emmerich eine Wasserleitung, was für das Feuerlöschwesen von besonderer Bedeutung war; die alte Einrichtung der Wasserlieferung durch die Pumpen kam in Wegfall, und an ihre Stelle traten die in allen Straßen angebrachten Hydranten. Die Bereitfähigkeit der Wehr wurde dadurch wesentlich erhöht, allerdings mussten die Ausrüstungsstücke der neuen Einrichtung entsprechend ergänzt und erheblich vervollkommnet werden. Es wurden drei Schlauchwagen mit den dazu erforderlichen Standrohren und Schläuchen nebst vier Steigerleitern angeschafft. Die Wehr war nun so ausgerüstet, dass sie wohl imstande war, bei Ausbruch von Bränden sich dem verheerenden Element mit gutem Erfolge entgegenzustellen. Aber mit dieser Aufgabe war das Gebiet der Tätigkeit der Wehr nicht erschöpft; sie hielt es auch, ihrem Wahlspruch getreu, für ihre Pflicht, sich besonders bei Hochwassergefahr und bei Eisgang in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen, und da bleibt es wohl unvergessen, wie aufopferungsvoll und tatkräftig die Emmericher freiwillige Feuerwehr bei dem überaus schweren Eisgang im Winter 1890/91, der bekanntlich für Emmerich so leicht zum Verhängnis hätte werden können, sich zum Schutze der Stadt der großen Gefahr entgegen stellte. Im Jahre 1887 legte der 1. Vorsitzende der Wehr, Gerhard Heydeman, sein Amt nieder; an seine Stelle wurde August Fleischhauer gewählt, der dieses Amt bis zum Jahre 1893 versah. In einer Vorstandssitzung vom 5. Februar 1893 wurde beschlossen, das Amt des ersten Vorsitzenden mit dem des Hauptmanns der Wehr zu vereinigen, und so wurde der zeitige Hauptmann der Wehr, Heinr. Tibus, auch erster Vorsitzender derselben. 1899 legte dieser sein Amt nieder, während Johann Voortjes sein Nachfolger wurde, der bis zum Jahre 1902 die Wehr leitete. Ihm folgte dann in der Leitung Carl Baardwyk. Im Jahre 1903 bat der seit Gründung der freiw. Feuerwehr als Kassierer tätige Hermann Wesser um Enthebung von seinem Posten. In Anerkennung seiner Verdienste ernannte man ihn zum Ehrenmitglied. Infolge der fortschreitenden Entwicklung der Stadt und der Feuerlöschtechnik im besonderen erwies sich die vorhandene Ausrüstung schon bald als zu klein und unvollkommen. Vor allem zeigte sich die Beschaffung einer großen mechanischen Leiter als dringendes Bedürfnis. Im Jahre 1904 war man in der Lage, eine solche bei der Firma Magirus in Ulm anzukaufen. Sie misst in voller Höhe 15 Meter und ist für Handzug eingerichtet. Im Jahre 1908 wurde die Wehr einer neuen Organisation unterzogen, die vom Regierungspräsidenten die Genehmigung erhielt. Von da an besteht sie aus 2 Löschzügen mit je einer Ordnungsmannschaft, einer Steigerabteilung und einer Schlauchwagenabteilung. Mit der Neuorganisation erhielt der bisherige Hauptmann der Wehr, Carl Baardwyk, den Titel Oberbrandmeister. Entsprechend den von der Staatsbehörde herausgegebenen allgemeinen Bestimmungen für das Feuerlöschwesen, erhielt die Wehr im Jahre 1909 neue, heute noch bestehende Satzungen, die zunächst von der Generalversammlung und dann vom Bürgermeister genehmigt wurden. Von besonderer Bedeutung für die Wehr war das Jahr 1910, in welchem sie auf ein 25jähriges Bestehen zurückblicken konnte. Das Fest wurde am Abend des 22. Mai durch einen großen Zapfenstreich eingeleitet, während am Festtage selbst ein Generalappell stattfand. Es konnten damals auf eine 25jährige Zugehörigkeit zur Wehr zurückblicken: Oberbrandmeister Carl Baardwyk, die Vorstandsmitglieder Gustav Breitenstein und Fritz Kunz sen., ferner die Wehrleute Jacob von Hall, Paul Pfuhl, Gerhard Welbers, Johann und Wilhelm Sweering. Das Jahr 1912 brachte für den Vorstand mancherlei Verluste; außer dem Vorstandsmitglied Gustav Breitenstein legte auch der Oberbrandmeister Carl Baardwyk mit Rücksicht auf Gesundheit und Alter sein Amt nieder. Beide hatten der freiwilligen Feuerwehr vom Tage ihrer Gründung angehört. Gustav Breitenstein hatte sich als erster Gerätewart um das Feuerlöschwesen außerordentliche Verdienste erworben und wurde in Anerkennung dessen zum Ehrenmitglied der Wehr ernannt. Carl Baardwyk hatte in geradezu vorbildlicher Weise die Wehr viele Jahre hindurch als Leiter geführt und ihr außerdem vom Tage der Gründung an als sehr eifriges Mitglied des Vorstandes angehört. Ihm wurde zum Dank für sein uneigennütziges Wirken im Dienste der Wehr der Titel eines Ehrenbrandmeisters verliehen. Sein Nachfolger im Amte eines Oberbrandmeisters wurde Franz van Nüß. Eine wesentliche Bereicherung und Vervollkommnung ihrer Ausrüstung erhielt die Wehr im Jahre 1912 durch die Anschaffung eines vierrädigen Mannschafts- und Gerätewagens, den ebenfalls die bekannte Firma Magirus in Ulm lieferte.
Es kam das Jahr 1914 und mit ihm der furchtbare Weltkrieg. Er ging nicht spurlos an der Emmericher Wehr vorüber; sieben brave Kameraden verloren ihr Leben im Kampfe für Heimat und Vaterland. Nachdem Franz van Nüß wegen Fortzuges von Emmerich sein Almt als Oberbrandmeister niedergelegt hatte, wurde an seine Stelle am 23.Juli 1919 Heinrich Haas zum Oberbrandmeister gewählt. Unter seiner Führung stellte sich die freiwillige Feuerwehr in den Tagen der Hochwassergefahr, Ende des Jahres 1919, als das Wasser bereits den Altenmarkt erreicht hatte, beireitwilligst und mit großem Eifer in den Dienst zum Schutze der Stadt, indem sie die Einrichtung und Überwachung des Schutzdammes übernahm. Ganz besonders verdient bei dieser Gelegenheit hervorgehoben zu werden die wertvolle Tätigkeit der Feuerwehr bei größeren Theater- und sonstigen Vorstellungen, bei welchen sie den Sicherheitsdienst übernimmt; es ist für die Anwesenden immer ein beruhigendes Gefühl, wenn sie den Feuerwehrmann im Saale anwesend findet. Während der Besetzung eines Teiles der Stadt durch fremde Truppen war es bekanntlich der Ortspolizei untersagt, das besetzte Gebiet zu betreten; da war es wiederum die Feuerwehr, die bei den großen Prozessionen in ruhiger, taktvoller und umsichtiger Weise den Ordnungsdienst versah; sie hat sich dadurch die besonderer Anerkennung der Bürgerschaft erworben. Weiter finden wir sie zur Freude unserer Jugend als getreue Begleiter des Martinszuges. Ein weiterer, sehr wichtiger Schritt in der Bereitfähigkeit der Wehr geschah imJahre 1920, in welchem sie am Brink ein den zeitlichen Erfordernissen entsprechendes Gerätehaus erhielt. Durch seine günstige Lage in der Mitte der Stadt und den geräumigen Vorplatz war das Gebäude für die Wehr ganz besonders wertvoll. Die Geräte können sinn- und ordnungsgemäß dort untergebracht werden, während der große Vorplatz es möglich macht, dass die Wehr in Fällen der Not schnell und sicher auszurücken vermag. Das Jahr 1925 brachte zunächst eine Ehrung eines der verdienstvollsten Mitglieder der Wehr, nämlich des stellv. Wehrleiters und Brandmeisters Franz van Munster. Gehört er doch 22 Jahre hindurch ununterbrochen dem Vorstande an und ist 18 Jahre hindurch stellv. Wehrleiter. In seinen Händen lag die Leitung der Wehr während der Kriegsjahre, und wenn sie nach denselben so schnell wieder auf ihre alte Höhe gelangt ist, so hat sie das vor allem ihrem „Hauptmann“ zu verdanken. In Anerkennung dieser besonderen Verdienste um die Wehr wurde er am 07. März 1925 zum Ehrenbrandmeister ernannt. Ein anderes wichtiges Ereignis des Jahres 1925 war die Erwerbung einer großen Automotorspritze. Die Tätigkeit des Vorstandes und vor allem des Oberbrandmeisters Heinrich Haas war fortdauernd darauf gerichtet, die Wehr sowohl innerlich als auch äußerlich den Anforderungen der Zeit entsprechend immer mehr auszugestalten und das ererbte Werk nach jeder Richtung hin zu vervollkommnen. Aus dem Grunde ging schon gleich nach dem Kriege das Bestreben der Wehr vor allem nach dem Besitze einer Automotorspritze. Darin wurden sie tatkräftig unterstützt durch Herrn Bürgermeister Dr. Alff. Dieses Ziel wurde, wie gesagt, im März 1925 erreicht. In Anerkennung nämlich der bisher von der Wehr der Stadt geleisteten vorzüglichen Dienste und in der Erkenntnis, dass es nur im Interesse unseres Gemeinwesens liege, wenn sie mit allen Neuerungen des Feuerlöschwesens ausgestattet sei, stellte die Stadtverordnetenversammlung einstimmig die Mittel zur Beschaffung einer solchen Spritze zur Verfügung, und so konnte denn der sehnlichste Wunsch aller Wehrleute in Erfüllung gehen. Am 29. März 1925 wurde der Wehr von Herrn Bürgermeister Dr. Alff in Gegenwart des Stadtverordnetenkollegiums in feierlicher Weise die Automotorspritze übergeben. Sie war von der Firma Magirus-Ulm geliefert worden und ist mit allen neuzeitlichen Einrichtungen und Ausrüstungen ausgestattet und ermöglicht es, wie es sich tatsächlich schon wiederholt gezeigt hat, in ganz kurzer Zeit dem Notruf der Bürger zu folgen. |
