Löschboot Emmerich "Stadtbrandmeister Kersten"

Entstehungsgeschichte

   

Am 7.Oktober 1960 geschah direkt vor der Rheinpromenade eines der schlimmsten Schiffsunglücke der Nachkriegsgeschichte in der Binnenschifffahrt. Die Tina Scarlett, ein Hochseefährschiff in der Über-führungsfahrt nach Rotterdam, kollidierte mit dem Tankschiff Diamant.

Dieses hatte gut 700 t Kerosin geladen das durch die Kollision austrat und sich in binnen von Sekunden entzündet.

Der Rhein verwandelte sich in diesem Bereich in ein wahres Flammenmeer. Die beiden Havaristen trieben dann verkeilt und brennend auf weitere 9 Schiffe zu und entzündeten diese. Bereits fünf Minuten nach der Kollision wird Katastrophenalarm ausgelöst.

Die Wasserschutzpolizei und die Feuerwehr aus Emmerich und Umgebung versuchten, mit ihren Mitteln an die Fähre heranzukommen, um die dort eingeschlossenen Menschen zu retten. Doch gegen das Flammenmeer waren sie völlig machtlos. Da die Stadt kein eigenes Löschboot besaß, kam Hilfe aus Duisburg.

Das kleine Duisburger Feuerlöschboot brauchte einige Stunden, um zur Einsatzstelle zu gelangen.

Dieses Ereignis war der Anlass für die Landesregierung den Bau moderner Löschboote einzuleiten. 

Die Landesregierung NRW beschloss 7 kleine und 3 große Boote bauen zu lassen.  Die kleinen Boote, ganz aus Aluminium, wurden den Städten Bonn, Wesseling, Krefeld, Wesel, Rees, Emmerich und Minden übergeben.

Diese Boote sind inzwischen ausgemustert und wurden in den 80er Jahren durch Neubauten ersetzt.
Diese sind in Bonn, Köln, Neuss, Krefeld, Wesel und Emmerich stationiert und bis heute noch im Einsatz.

Die großen Boote sind in Köln, Düsseldorf und Duisburg stationiert und sind seit der Indienststellung 1963 auch heute noch im Einsatz.
Die Boote sind Eigentum des Landes und wurden den Städten zur Verfügung gestellt, welche für
die Unterhaltung und die Besatzung zu sorgen haben. Somit können diese Boote überörtlich in ganz NRW eingesetzt werden.

 

Besatzung

Die Besatzung für das Feuerlöschboot besteht aus feuerwehrtechnischem Personal und nautischem Personal.
Das feuerwehrtechnische Personal ist für die Wahrnehmung der eigentlichen Aufgaben zuständig wozu das Boot gerade
gerufen wird (Brandbekämpfung, technische Hilfeleistung und Menschenrettung).

Das nautische Personal ist für das eigentliche Fahren und Bedienen des Schiffes und der Ausstattung zuständig
(dieses ist im Besitz der verschiedenen Patente und nötigen Befähigungen). Die nautische Besatzung besteht
immer aus 2 Schiffsführern. Die feuerwehrtechnische Besatzung besteht meist aus einer Gruppe 1/8.

Das feuerwehrtechnische Personal sind normal ausgebildete Feuerwehrleute mit zusätzlicher Einweisung
auf das Feuerlöschboot.

Um Schiffsführer (nautisches Personal) eines solchen Feuerlöschbootes werden zu können, muss eine mind. 3 jährige Ausbildung durchlaufen werden, um dann am Ende ein sogenanntes Behördenpatent zu erlangen.

  • Als erstes, um eine Voraussetzung für das Behördenpatent zu erfüllen, braucht man das UKW Sprechfunkzeugnis (UBI). Dieses ist ein 3 tägiger Lehrgang mit schriftlicher und mündlicher Prüfung am Schulschiff Rhein in Duisburg.
  • Weitere Voraussetzungen sind dann das Absolvieren von mind. 16 Fahrten auf der beantragten Rheinstrecke. Davon 8 zu Tal und 8 zu Berg. Der Bereich, für den das Feuerlöschboot Emmerich zuständig ist, geht von Rhein km 813 (Einfahrt Hafen Emmelsum / Wesel) bis Rhein km 865,5 (Grenze DE-NL / Millingen). Diese Fahrten dienen dann zum Erlangen der nötigen Strecken- bzw. Ortskenntnis.
    Der angehende Schiffsführer wird am Ende der Ausbildung nach dem genauen Streckenverlauf bzw. wo man fahren darf und welche Besonderheiten es in diesem gibt geprüft.
  • Während dieser Zeit durchläuft der angehende Schiffführer weitere Ausbildungen in Theorie und Praxis.
    Zu den theoretischen Themen gehören z.B. die Rheinschifffahrtspolizeiverordnung , Schallzeichen,
    Schifffahrtszeichen, Bezeichnung von Fahrzeugen, Maschinenkunde, Fahrregeln und Aufbau von Schiffen.
    In der Praxis geht es um den eigentlichen Umgang mit dem Boot und dessen Einrichtungen. Angefangen mit diversen Knoten bis hin zu verschiedenen Manövern (Mann über Bord, An- und Ablegen, Ankern).
  • Wenn man dann die gut 3 jährige Ausbildung mit allem hinter sich hat, folgt die eigentliche Prüfung für das Behördenpatent.
  • Hierzu geht es erst zu einem 3 wöchigen Abschlusslehrgang zum Schulschiff Rhein in Duisburg. Hier werden alle Themen, die in der Ausbildung bearbeitet worden sind, nochmal aufgefrischt und ergänzt.
  • Nach den 3 Wochen folgt dann eine schriftliche  Prüfung (Fragenarbeit über alle Themenbereiche) und eine mündliche Prüfung (Abfrage der Streckenkenntnisse durch die Prüfungskommission).
  • Hat man diesen Teil mit Erfolg absolviert, folgt einige Wochen später noch eine praktische Prüfung auf dem Feuerlöschboot am Standort. Hier werden dann verschiedene Manöver mit dem Boot geprüft, die in der Ausbildung ständig geübt wurden. Sind diese 3 Prüfungsteile mit Erfolg bestanden, erhält man das Behördenpatent.
  • Aber damit ist dann immer noch nicht genug in Sachen Ausbildung. Da die Feuerwehr oft bei schlechten Wetterverhältnissen wie z.B. Nebel und auch bei Dunkelheit zum Einsatz kommt, braucht man noch eine weitere Befähigung (Radarpatent) um ein Hilfsmittel für diese Ereignisse bedienen zu dürfen.
    Dieses ist ein mehrtägiger Lehrgang. Auch hier wird man theoretisch wie praktisch geschult. In der Theorie spricht man über Gesetze, was ist Radar und Aufbau von Radaranlagen. In der Praxis geht es dann auf ein Schulschiff, des Wasserschifffahrtsamt „die Lippe", wo es dann darum geht, die Radarbilder richtig auszuwerten und die passenden Kommandos an seinen Steuermann weiterzugeben. Hier werden dann unter Radar (nur Sicht auf das Radargerät - keine direkte Sicht mehr durch die Scheibe nach draußen) verschiedene Manöver wie An- und Ablegen durchfahren.
    Im Abschluss dieses Lehrgangs folgt dann wieder eine Prüfung. Diese besteht aus einem praktischem Teil
    (Fahren unter Radar) und einem mündlichen Teil (verschiedene Fragen zum Thema Radar durch die Prüfungskommission). Hat man auch dieses hinter sich gebracht kann man nun als vollwertiger Schiffsführer auf dem Feuerlöschboot eingesetzt werden.

Um dann in diesem komplexen Thema fit zu bleiben, wird dann ständig mit dem Feuerlöschboot und der dazugehörigen Mannschaft geübt

 

Einsatz

Das Feuerlöschboot Emmerich fährt im Schnitt um die 15 Einsätze im Jahr. Diese setzen sich aus den unterschiedlichsten Bereichen zusammen:


- Einsätze zu Bränden auf Schiffen aber auch bei Bränden an Land zur Wasserversorgung
- Technische Hilfeleistung nach Havarien (Schiffsunfall) wie das Auspumpen der Havaristen und wenn möglich,
  notdürftiges abdichten der Leckagen.
- Rettung von Personen nach Unfällen von Schiffen oder auch
- das Übersetzten vom Rettungsdienst und dessen Unterstützung
- Amtshilfe für die Wasserschutzpolizei oder das Wasserschifffahrtsamt

 

STEUERHAUS:

2x UKW Binnenfunk
1x 4m Funk (BOS)
6x 2m Funk (BOS)
Flussradar ELNA mit Rheinkarte
Echolot
GPS
Radio
Wendegeschwindigkeitsanzeiger

ALLGEMEIN:
Schwimmwesten
Rettungsringe
Überdruckanlage
Selbstschutzanlage
Suchscheinwerfer
Stromerzeuger mit 30 kVA
Lichtmast mit 4x 1000 Watt
Ankerwinde
Handwerkzeug
Kabeltrommeln 230V / 400V
Schiffstampen in verschiedenen Längen

Technische Daten

Länge: 19,68 m
Breite: 4,75 m
Tiefgang: 1,15 m

Leistung: Gesamt 1300 PS (2x MAN 12 Zylinder
Diesel je 650 PS)

Verdrängung: 24,5 m

Baujahr: 1983

Hersteller: Schless Werft Wesel

Geschwindigkeit: zu Tal ca. 55 km/h und zu Berg

 

FEUERWEHRTECHNIK:
Multigasmessgerät Auer Altair
2x Feuerlöschkreiselpumpe FP 48/8
2x Schaum-/Wasserwerfer 3200 l/min
1x TP 15/1
3x TP 8/1
2x Wasserstrahlpumpe
6x Pressluftatmer
Steckleiter
Schlauchmaterial in Körben
Schlauchmaterial als Rollschläuche
Schnellangriffshaspel

 

RETTUNGSDIENST:
Schleifkorbtrage
Notfallrucksack

 

 

Das Löschboot ist primär für den Bereich Rhein km 813 (Hafen Emmelsum / Wesel Friedrichsfeld) bis Rhein km 865,5 (Grenze DE/NL /Millingen) zuständig. Auf Anforderung fährt es oft zu den niederländischen Kollegen der Brandweer.
Das Löschboot wird über die Kreisleitstelle Kleve alarmiert. Es hat eine spezielle Schleife (Gruppe) worüber das Personal des Bootes alarmiert wird. Des Weiteren wird je nach Einsatz eine Wechselschleife für das feuerwehrtechnische Personal dazu alarmiert.
Nach Alarmierung fahren einige Schiffsführer direkt zum Hafen um das Boot direkt klar zum Auslaufen zu machen. Das andere Personal kommt erst zur Wache und fährt von dort aus mit einem MTF zum Bootssteiger.

 

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